Die Akademie der Föderation

We want you now!

In dieser Kurzgeschichte möchte ich Euch mitnehmen, zurück in die Zeit auf der Akademie der Föderation.

Die Akademie der Föderation ist schon ein ganz eigener Mikrokosmos.
Da gibt es die Söhne aus reichem Elternhaus, die all ihr Streben einsetzen, um eines Tages im Cockpit einer F63 Condor zu sitzen. Auf der anderen Seite gibt es da dann noch die “Nerds”, welches sich vor allem für eine technische Laufbahn bei der Navy interessieren.

Und dann gab es da noch mich!
Jemanden, der “nur” durch ein Stipendium an die Akademie gekommen ist, sich ziemlich Fehl am Platz fühlte und eigentlich gar nicht für die föderale Navy fliegen wollte.

Ich weiß noch genau, wie mein alter Herr eines Tages von der Arbeit aus den Minen auf dem Mars nach Hause kam und stolz verkündete, dass seine ein Stipendium vergibt. Das er allerdings allen ernstes an mich dachte, hat mich nicht nur damals schwer verwundert. Eigentlich war geplant, dass ich ebenfalls “Malocher” werde. Auf eine Zukunft in den Minen habe ich mich schon seit Beginn der Schulzeit eingestellt. Umso überraschender war es (für alle) als mein Vater bei diesem Angebot seiner Firma zugriff.

Da stand ich also am ersten Tag auf dem Campus zwischen all den “Nerds” und gestriegelten Offizierssöhnen. Ich hatte Null Ahnung was mich erwartet. Rückblickend war das wohl auch besser so. Hätte ich gewusst was auf mich zukommt, ich hätte -in meiner Art- wahrscheinlich noch am ersten Tag hingeschmissen. Wo ich es ja nicht so mit Hierarchien und klarer Befehlsstruktur habe. Allerdings war ich auch irgendwie froh darüber, weit weg vom Mars zu sein und mein “Berufsleben” nicht unbedingt in den Minen zu starten. Ich ließ mich als auf das “Abenteuer” Akademie ein.

So galt es dann als bald Kurse zu belegen, sich auf dem riesigen Campusgelände zurecht finden und letztendlich auch eine Unterkunft zu suchen. Damit hatte ich tatsächlich weniger Probleme, ich bin bei einem guten Freund “untergekommen”, der schon seit dem Kindesalter zur Akademie wollte. Steve Jennson, ein “Techniknerd” vorm Herrn. Er schraubte schon als kleiner Jungen an Sprungantrieben rum, bastelte in seine Freizeit eigene Weitstreckenscanner und hat mit seinen “Experimenten” nicht nur einmal die Stromversorgung in seinem Wohnblock lahmgelegt. Steve fing zum Glück zeitgleich mit mir an der Akademie an und bekam von seinen Eltern -Einzelkind halt- eine Bude im Vergnügungsviertel bezahlt. Auch wenn ich der einzige war, der sich in der gesamten Zeit auf der Akademie mehr in den Bars & Clubs rumgetrieben hat, so war es schon eine lustige Zeit in unserer “Wohngemeinschaft”. Nur dank Steve habe ich den Avionikkurs grad so geschafft.

Die anderen Kurse waren ebenfalls nicht unbedingt meine Lieblingsbeschäftigung. Kampfführung, interstellare Politikwissenschaft, Systemweite Handels- und Diplomatiekunde. Sehr graue Theorie, die allerdings nötig war um den “begehrten” Abschluss zu erhalten. Einzig das praktische Flugtraining hat mich wirklich “gepackt”. Wo ich doch schon in der Jugend immer am Raumhafen abgehangen und mit einer gewissen “Ehrfurcht” die Piloten bewundert habe. Man spürte aber deutlich, dass die Föderation ihre “Nachwuchspiloten” eben “ganzheitlich” ausgebildet hat. Nicht nur die “Kampfmaschine” (obwohl es auch die auf der Akademie gab) sondern der Mensch im Cockpit, der sich auch auf der Bühne des großen Diplomatie bewegen sollte. Wieder so ein Bereich, in dem ich -mit meiner sehr direkten Art- nicht wirklich punkten konnte.

Nichtsdestotrotz habe ich mich mehr oder minder auch durch diese Kurse “gequält”. So ganz ohne Abschluss wieder auf den Mars zurückkehren wollte ich nun ja auch nicht. Ich stand zwar nicht zu 100% hinter der Idee ein Flieger in der Föderation zu werden, aber meine Familie wollte ich auch nicht enttäuschen. Ich wusste ganz genau, mein Vater war -auch wenn er es nicht so zeigen konnte- wahnsinnig stolz auf mich. Rückblickend war das auch einer der großen Motivatoren in dieser Zeit. Die Familie und ganz besonders meinen Vater, auf keinen Fall zu enttäuschen.

Die ersten Semester waren allerdings recht “zäh”. Ich hatte, obwohl die allgemeine Schule noch gar nicht so lange her war, meine Probleme mich in den Unterrichtstoff hineinzufinden. Ich war nie der großer Leser, musste aber jetzt auf einmal Tage- und Nächtelang dicke Wälzer und verschiedene Kodizes lesen. Die reine Theorie war für mich nicht einfach. Wo ich doch sonst immer alles “erleben” muss um es auch zu begreifen. Schon als Jugendlicher waren mir die persönlichen Gespräche mit den Lehrern deutlich lieber als Schulbücher zu lesen. Ähnlich erging es mir auch auf der Akademie. Ich traf zum Glück im vierten Semester einen ganz besonderen Menschen.

Professor Lincoln.

Nicht nur ein Staatstragender Name, auch die Persönlichkeit dahinter war ebenso tragend. Er war zugleich besonnen, ruhig in seiner Art aber auch mit einem fundamentalen Wissen gesegnet, welches mich nicht nur einmal staunend zurück ließ. Zwar hatte ich nur einen Kurs bei Professor Lincoln, da er aber scheinbar seinen gesamten Tag auf dem Campus verbrachte, traf ich ihn immer mal wieder zu einem Gespräch. Er war auch einer der wenigen, die dies zugelassen haben. Viele der anderen Professoren verschanzten sich entweder in ihren Büros oder gingen gekonnt jeglichen Gesprächen mit den Studenten aus dem Weg. Nicht so “Professor L” (wie wir ihn liebevoll nannten). Er nahm sich die Zeit um sich mit seinen Studenten zu unterhalten, oftmals sogar ein -kultiviertes- Streitgespräch zu führen und somit seinen Schülern immer das Gefühl zu geben auf Augenhöhe mit ihm zu sein. Nicht nur einmal sorgten seine Debatten im Vorlesungssaal für eine Verschiebung des nachfolgenden Kurs.

Ich glaube, Professor L hat bewusst unbewusst dafür gesorgt, dass ich in all den Jahren auf der Akademie, “in der Spur” geblieben bin. Zugegeben, ich habe während der Zeit nicht nur einmal ans Aufgeben gedacht. Und jedes Mal war es ein Gespräch, eine Diskussion oder auch nur eine Idee von Professor L, die mich wieder hat Mut fassen lassen. Sehr erstaunlich. Aber das konnte er nun mal echt gut. Seinen Studenten Ideen & Motivation mitzugeben. Tatsächlich denke ich noch heute oftmals an seine Worte.

Doch genug der romantischen “Lobhudelei”. Es war an der Akademie nicht alles Gold was glänzt.
Machen wir uns nichts vor… Um ein (erfolgreicher) Kampfpilot der Föderation zu werden, braucht es Spitzennoten auf der Akademie. Damit konnte ich (zum Glück) nicht grad glänzen. Ich habe die Rolle als “Top Gun” gerne an die Jungs weitergereicht, die eben diese Rolle auch gebührend ausfüllen konnten. Natürlich musste man als “Durchschnitt” in manchen Bereichen etwas “kämpfen”. Ganz deutlich wurde dies zum Beispiel beim Flugtraining. Nicht nur, dass man dann die eher etwas älteren Schiffe zum Training bekam, man spürte auch deutlich, das eben genau diese “Asse” bevorzugt in die “Kampfplanung” mit einbezogen worden sind. Ja, das hat mich schon wenig gewurmt. Nicht so sehr weil ich “vorne mitspielen” wollte, sondern viel mehr, weil es doch schon auf der Akademie gezeigt hat, wo man als “Mittelschicht” wirklich steht. Ich denke, dass war auch ein entscheidender Faktor, der mich nach Abschluss an der Akademie hat “flüchten” lassen. Weit weg von diesen alltäglichen “Machtspielchen”. Sein eigener Herr sein und so.

Und das konnte ich nach guten sechs Jahren auf der Akademie dann auch endlich sein. Ich hatte zwar nur einen mittelmäßigen Abschluss, dafür aber immerhin meine Pilotenlizenz in der Tasche. Das ist diese jedoch eine verdammt lange Zeit gar nicht gebraucht habe, ist wiederum eine andere Geschichte. Die werde ich wohl ein anderes mal erzählen.

Poster Artwork by Mathew Maddison

Die Akademie der Föderation

Ein Gedanke zu „Die Akademie der Föderation

  • 24. Oktober 2020 um 20:37
    Permalink

    Sehr schön geschrieben weiter so…;)

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